Einmal Surabaya und zurück

Stefan Gerkens ist als Rohtabakeinkäufer ein absoluter Spezialist bei der Beurteilung des noch unverarbeiteten Rohstoffes. Und Spezialist für improvisiertes Reisen in fernen Ländern. Seinen Bericht aus dem Themenheft „Der Traum vom Fliegen“ gibt es hier zum Nachlesen.

Einmal Surabaya und zurück

Gleich einer meiner ersten Trips zeigte mir, dass der Job des Tabakers nichts für schwache Nerven ist. Es ging um Einlagetabake und sie führten mich auf die Philippinen. Jahre später weiß ich, dass zwar nicht jeder Flug ein kleines Abenteuer bereithält – genug aber, um ein paar von diesen Episoden mit Ihnen zu teilen.

1. Regel: Wenn das Flugzeug absackt, bleibt der Magen oben.

Zurück auf die Philippinen. Auf 1.400 m über dem Meeresspiegel liegt von Bergen eingekeilt der Flughafen von Baguio. Die Start- und Landebahn auf dem gefühlt größten, mehr oder weniger ebenen Plateau ist genau 1.802 m lang – nicht besonders ungewöhnlich. Aber die durch eine Senke führende Runway könnte auch keinen Meter länger sein. An beiden Enden fällt der Berg tief ab. Ich flog mit Asian Spirit, der heutigen Zest Airways, saß mit elf weiteren Reisenden in einem zweimotorigen Propellerflugzeug, sieben Plätze blieben leer. Bevor der Pilot die Starterlaubnis für den Linienflug bekam, zogen noch einmal die abenteuerlichen Erfahrungsberichte zum Flughafen Baguio an meinem geistigen Auge vorbei. Direkt im Anschluss wurde man bereits in die wackeligen Sitze gepresst, beschleunigte durch die tiefe Senke der Startbahn und … Eigentlich sollte der Flieger abheben, stattdessen sackte er weg – meinen elf Mitinsassen und mir stockte der Atem, bevor wir dann langsam an Höhe gewannen.

2. Regel: Beim Ticket gespartes Geld in Rum investieren.

Trotz dieser Erfahrung musste ich nie über meine Berufswahl nachdenken. Die Faszination der Tabake hat mich von Anfang an so gefesselt, dass ich kein Abenteuer missen möchte. Ein weiteres war abzusehen, als die Fluggesellschaft Cubana de Aviación auf dem Flugplan stand. Statt mit der vergleichsweise renommierten nationalen panamaischen Airline Copa zu fliegen, fiel meine Entscheidung auf die mehrere hundert Euro günstigere und vier Stunden schnellere Direktverbindung von Santo Domingo (Dom. Rep.) nach Havana (Kuba). So der Plan. Doch Pläne sind dazu da, geändert zu werden. In diesem Fall blieb der Preis im Plan. Doch schon beim Eintreffen am Flughafen stand auf der Anzeigentafel hinter dem Flug nach Havana „sin confirmación“. Danach wurde gewartet, sechs Stunden lang und zwar „sin información“. Als die Iljushin M62 trotz technischer Probleme bereitstand, stieg ich mit einem unguten Gefühl ein. Dies wurde noch verstärkt, als sich beim Start die Sitze etwas nach hinten verschoben. Nur gut, dass der Purser danach das kubanische Staatsgetränk in regelmäßigen Abständen offerierte. Nach dem dritten Rum konnte ich mich auch in überraschend flüssigem Spanisch mit meinem Sitznachbarn unterhalten. Wir beide nahmen es dann auch mit Humor, als die angenehm warm-feuchten Handtücher, die hin und wieder in der Business Class gereicht werden, bei den Kubanern nur dünne, kalt-nasse Servietten waren.

3. Regel: Rechnen Sie nicht in km/h. Sondern in km/Tag.

In Indonesien sollte man für die gleiche Strecke mindestens vier Tage einplanen. Uns blieb aber noch Möglichkeit 3: über Bali. Rein geschäftliche Gründe haben den Ausschlag gegeben, über das Urlaubsparadies anzureisen. In dem Badeort Kuta, dem „Ballermann der Australier“, konnten wir kurzer Hand ein Hotel buchen. Es hatte, wie sich vor Ort herausstellte, seine Glanzzeit in den 1950er Jahren. Die jüngsten Bewohner schlüpften frisch aus dicken Kokons. Ein Anblick, den wir uns gerne erspart hätten. Am nächsten Tag mussten wir dann vom Flugzeug auf das Auto und die Fähre umsteigen, um die restlichen 400 km nach Pandaan zu überwinden. Zwischen den Motorrädern, die in Indonesien als Lieferfahrzeug für ganze Küchen oder als Familiengefährt für mehr als vier Personen bis zur Unkenntlichkeit beladen sind, brauchten wir ungefähr 12 Stunden, bis wir am Ziel waren. Die Strecke führte uns an den Tabakfeldern von Besuki vorbei nach Pandaan unweit Surabaya, wo wir unsere Deckblattzuschnitte produzieren.

Es ist immer beruhigend, wenn auf dem Flugplan Gesellschaften wie KLM, Lufthansa oder Singapore Airlines zu finden sind. Je näher man dem Tabak kommt, desto exotischer werden die Gesellschaften. So kann es schnell 38 Stunden dauern, bis man von Hannover in das entlegene Goya in Argentinien kommt. Rund um Goya wird überwiegend Tabak angebaut und so nimmt man die Reise über Frankfurt, Sao Paolo, Buenos Aires (International), Buenos Aires (Domestic) und Resistencia gerne in Kauf. Dort angekommen, taucht man ein in die große Welt des Tabaks.

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