Der Echsoteriker: Michael Hatzius

Eine Echse, die Zigarre raucht? Ja, das gibt es. Es ist die Echse, die als Puppe von Michael Hatzius gespielt wird. In der Ausgabe „Humor“ unseres Zigarren-Magazins sprechen wir mit dem Mann hinter der Figur. Das Interview aus dem Heft gibt es hier zum Nachlesen.

Michael Hatzius und die Echse. Der Puppenspieler wurde vielfach ausgezeichnet.
Michael Hatzius und die Echse. Der Puppenspieler wurde vielfach ausgezeichnet. (Foto: Christine Fiedler)

Über Michael Hatzius

Michael Hatzius studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin, an der er 2006 mit dem Diplom als Puppenspieler / darstellender Künstler abschloss. Mit der Echse (und allerlei anderem Getier) ist Michael Hatzius seit 2011 auf Theaterbühnen und im Fernsehen, inklusive eigener TV-Show, überaus erfolgreich. Er wurde vielfach ausgezeichnet (Kabarett Kaktus, Deutscher Kleinkunstpreis, Prix Pantheon, Stuttgarter Besen u.v.a.).

Der Mann hinter der Echse im Interview

Herr Hatzius, haben sie schon als Kind mit Puppen gespielt?

Michael Hatzius: Ja, aber im normalen Rahmen, würde ich sagen. Ich kann mich gut erinnern, dass ich so eine aufklappbare klassische Kasperbühne hatte, und schon da kleine Aufführungen mit selbstausgedachten Geschichten aufgeführt habe.

Echsen sind nicht kuschelig – sie strahlen eher etwas Bedrohliches aus. Wie kamen sie trotzdem auf die idee mit dem Reptil?

Michael Hatzius: Wenn ich als darstellender Künstler eine Figur entwickle, also damit meine ich einen Charakter, dann ist „Kuscheligkeit“ keines der relevanten Kriterien. Mir geht es vor allem darum, glaubhafte und vielschichtige Persönlichkeiten zu kreieren. Die haben dann alle unterschiedliche Facetten und Abgründe, wie wir das von Menschen kennen. Konkret ist die Echse für ein Theaterfestival entstanden. Gesucht war der Typ des alten, erfahrenen, besserwisserischen Intendanten, der über die Stücke auf dem Festival herzieht. Da kamen die Puppenbauer auf die Idee, eine Echse zu entwerfen. In meinen Händen ist sie dann der Charakter geworden, denn wir jetzt kennen. Ich bin mir übrigens sicher, dass die Echse auch gerne kuschelt. Hängt vom Gegenüber ab …

„Echsoterik“: Michael Hatzius und die Echse
„Echsoterik“: Michael Hatzius und die Echse (Foto: Christine Fiedler)

Die Echse ist oft angeberisch, besserwisserisch, arrogant, anmassend – aber auch philosophisch und entlässt ihr Publikum am Ende versöhnlich. Hat ihr Programm eine Botschaft?

Michael Hatzius: Ich glaube, letztlich ist das gesamte Spiel die Botschaft, denn es löst sicher geglaubte Konzepte auf. Ich scheue mich immer vor politischem Kabarett, das besserwisserisch und moralisierend daherkommt. Ich finde, Kunst sollte Raum aufmachen und nicht zu viel durchdefinieren. Wenn meine Puppen in Aktion treten, kann jeder ein Stück Welt in und um sich wiedererkennen und darüber lachen. Durch diese Rezeption wird die Welt beweglich, das heißt, nichts muss so sein wie gedacht, man kann in Abstand treten und Neues zum Leben erwecken. Puppen leben ja per se überhaupt nicht, trotzdem entsteht dieser Eindruck, man lässt sich während der Show auf eine andere Realität ein, vielleicht ist das dann das Politische, eine Art Botschaft.

Immer wieder liest man unter den vielen begeisterten Kommentaren im Netz auch: „Man kann ja sehen, wie der die Lippen bewegt, der ist ja gar kein Bauchredner!“ Dann folgt immer ein belehrender Kommentar eines anderen: „Der ist ja auch ein Puppenspieler!“ Manchmal bekommen sich die Kontrahenten richtig in die Haare. Ist diese Unterscheidung eigentlich wichtig?

Michael Hatzius: Das kommt darauf an, was man erwartet. Viele Menschen erwarten, dass jemand, der mit einer Puppe auftritt, die Technik des Bauchredens präsentiert, also die Lippen nicht bewegt, und finden es ungültig, wenn das dann nicht stattfindet. Bauchreden ist ein toller Varieté-Trick, aber so wie ich zum Beispiel Puppenspielkunst darbiete, überhaupt nicht nötig. Bauchreden ist eine von vielen Arten oder Stilen, wie man mit Puppen auf der Bühne umgehen kann. Die meisten Puppenspieler sind keine Bauchredner, aber alle Bauchredner spielen mit Puppen. So kann man das vielleicht sagen. Ich bin mir aber relativ sicher, dass es auf diesem Planeten zurzeit drängendere Debatten gibt.

Warum raucht die Echse Zigarre?

Michael Hatzius: Haha, jetzt muss ich aufpassen, um die Leserschaft nicht zu brüskieren. Ich würde sagen, bei so einer Figur bedient das Zigarrerauchen das Klischee des lässigen, der mächtigen Geste zugeneigten älteren Mannes. Da gibt es ja einige prominente Beispiele. Das Zigarrerauchen passt einfach zum philosophischen, larmoyanten, genießerischen und leicht herablassenden Gestus der Echse. Es ist natürlich ein Klischee, aber macht die Figur sofort greifbar.

Nächstes Jahr hat die Echse zehnjähriges Jubiläum. Wie alt werden echsen? Und – wie wird dann gefeiert?

Michael Hatzius: Genau genommen spiele ich die Figur sogar schon länger, aber 2011 hatte meine erste Soloshow rund um die Echse Premiere. Ich bin natürlich glücklich über diese Zeit und auch stolz darauf, aber der Echse selbst wird das wohl als Zeitspanne nicht mal auffallen. Sie ist ja nach eigenen Angaben schon seit dem Urknall auf der Welt, und ich gehe davon aus, sie macht es noch länger als ich. Dabei bin ich doch der Nichtraucher von uns beiden. Da kann man mal sehen …

Tourtermine und Videos gibt es unter www.michaelhatzius.de.

Weitere Geschichten und Interviews rund um die Zigarre finden sich in unserem Themenheft „Humor“. Noch kein Abonnent? Hier lässt sich das Magazin kostenlos abonnieren.

Datum: 16.02.2021

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