Herr Heuser ermittelt

„Herr Heuser vom Finanzamt“ über Schuld und Sühne. Und über die Frage, wie die Einnahmen durch CDs versteuert werden. Die kabarettistische Kolumne von Gernot Voltz aus dem Themenheft „Tatort: Krimi“ (Ausgabe 2/2010) gibt es jetzt auch im Blog zum Nachlesen. Viel Vergnügen.

Herr Heuser ermittelt

Schönen guten Tag zusammen,

Heuser ist mein Name, Oberamtsrat. Als Finanzbeamter braucht man gerade in der Steuerfahndung kriminalistischen Spürsinn. Mein Vorbild diesbezüglich ist ja Inspektor Columbo. Er sieht zwar immer so aus, als hätte er steuerfrei eine Altkleidersammlung geerbt, aber während seiner Ermittlungen raucht er öfters die eine oder andere Zigarre. Diese wird zwar von ihm regelmäßig im letzten Drittel zum Kautabak degradiert, aber mir macht es ihn sympathisch. Denn auch mir hilft durchaus eine gleichmäßig vor sich hinglühende Vasco da Gama beim Entschlüsseln der Codes auf einer Steuerdaten-CD. Spätestens beim ersten sanften Ascheabstreifen habe ich wieder ein Nummernkonto geknackt.

In diesem Zusammenhang finde ich es hervorragend, dass mein oberster Dienstherr Finanzminister Schäuble sofort gesagt hat, dass diese Daten-CD über Schweizer Schwarzgeldkonten deutscher Steuerhinterzieher gekauft wird. Schon diese Ankündigung hat uns 15000 Selbstanzeigen beschert. Bei uns im Amt ging das Telefon, wie wenn auf Neun live nachts um ein Uhr ein Vogel mit drei Buchstaben gesucht wird, der mit U anfängt und mit U aufhört.

Ich arbeite jetzt auch immer so. Letztens hatte ich eine Steuerprüfung bei einem Banker. Ich begrüßte ihn mit den Worten: „Übrigens, ich habe da eine CD.“ Eine Minute hatte ich alle seine ausländischen Kontodaten. Ich hatte nur eine „Best of Rex Gildo“, aber es hat funktioniert.

Also Schäuble hat die Steuer-CD gekauft. Baden-Württemberg kauft die CD, die dort angeboten wurde, nicht, weil da die FDP im Landtag sitzt. Und die FDP sagt, es ist staatstragend, diese CD nicht zu kaufen, sonst ist Baden-Württemberg nicht mehr regierbar, weil dann die Hälfte unserer Fraktion im Knast sitzt. Das nennt sich liberal, auf der eine Seite die eigene Klientel schützen und zum Ausgleich gegen Hartz-4-Empfänger hetzen. Ich sage ihnen, mit der FDP geht demnächst die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander als der Mund von Lothar Mathäus, wenn er eine 19-jährige Oberschülerin sieht.

Als Schäuble noch Innenminister war, hat er sich ja als Superermittler profiliert und diesbezüglich einiges in die Wege geleitet, vom großen Lauschangriff über biometrischen Pass bis zur Online-Durchsuchung. Ein Bekannter hat mir erzählt, er hat zu der Zeit eine Darmspiegelung machen lassen, weil er Beschwerden hatte. Plötzlich kam ein Bandwurm ins Bild und fragte in die Kamera: „Hallo, sind Sie der Proktologe, der Filialleiter von Lidl oder der Innenminister?“

Schäuble war doch für viele Stasi 2.0. Jetzt denke ich oft, Schäuble als Finanzminister ist der einzige Schlaukopf in dem Kabinett. Also die FDP bringt mich dazu, den Schäuble gut zu finden. Das nehme ich dieser Partei persönlich übel.

Aber bleiben wir bei der CD und den Steuerhinterziehungen. Ich bin ja selber mal nach Zürich gefahren, um zu recherchieren, wie das mit dem Schwarzgeld funktioniert. Ich gehe also rein in die Bank und flüstere dem Angestellten hinter dem Schalter zu: „Ich möchte gerne eine Million einzahlen“, antwortet der: „Sie brauchen hier gar nicht zu flüstern, Armut ist keine Schande!“

Die Schweiz wirft den Deutschen ja vor, mit dem Ankauf der CD würden wir Geschäfte mit Kriminellen machen. Das sagt ausgerechnet ein Land, dass das Wort Neutralität schon vor geraumer Zeit mit eingelagertem Nazi-Gold schwer in Misskredit gebracht hat – und heute sieht es auch nicht viel anders aus. Ich behaupte mal, wenn man auf einen Schlag sämtliche Schwarz- und Drogengelder aus Schweizer Banken herausholen würde, müsste die Schweiz noch Griechenland um Hilfe bitten.

Was ich persönlich aber an der Schweiz noch schlimmer finde als die Nummernkonten, ist die Toblerone, diese steinharte Schokolade. Die haben sie mir letztens angeboten, ganz schlimm, das reinste Gebiss-Mobbing. Ich glaube, die weißen Stückchen da drin, das sind die Plomben von den Leuten, die schon mal versucht haben, die zu essen!

Also geneigte Leser, wenn sie Geld zu viel haben, bringen sie es nicht ins Ausland, sondern kaufen sie sich dafür lieber die eine oder andere gute Kiste Zigarren. Dann haben sie nicht nur ein gutes Gewissen, sondern auch noch guten Genuss. Wenn Sie dann mal die Reifen für ihren tiefer gelegten Twingo als Radiergummis für ihr Büro absetzen, werde ich gerne mal für meine steuerfahnderische Nase einen veritablen Schnupfen in Anspruch nehmen.

In diesem Sinne

Ihr Finanzbeamter Heuser

Datum: 02.03.2012
  1. Schäuble ist Bundesfinanzminister, nicht jedoch Oberster Dienstherr der Finanzbeamten der Länder. Das sind jeweils die Landesfinanzminister.

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