Herr Heuser macht Aussendienst

„Herr Heuser vom Finanzamt“ schnappt frische Luft. Den kabarettistischen Beitrag von Gernot Voltz aus dem Open-Air-Heft gibt es jetzt auch im Blog zum Nachlesen.

Herr Heuser macht Aussendienst

Schönen guten Tag,

Heuser ist mein Name, Oberamtsrat, und auch ich halte mich im Rahmen meiner Berufsausübung des Öfteren „Open Air“ auf. Allerdings nennt man das bei den Finanzbeamten anders, nämlich Außendienst. Na ja, in der Regel befindet man sich bei dem „Außendienst“ dann doch wieder drinnen, denn Steuerprüfungen finden meistens im Haus statt und nicht davor.

Aber letztens war es anders. Ich hatte eine Steuererklärung auf dem Schreibtisch, in der wollte jemand „800 Euro Miete für einen Großsäuger“ absetzen. Im ersten Moment dachte ich, Rainer Calmund ist aber billig geworden. Jedenfalls fahre ich zur Überprüfung zu der angegebenen Adresse, Neandertal bei Düsseldorf, steige aus dem Wagen und plötzlich bricht ein Mann im Bärenfell durchs Unterholz, fuchtelt mit einem Wurfspieß um, stößt Grunzlaute aus und zeigt auf ein Schild: „BUFF e.V.“. Da war ich auf dem Vereinsgelände der Bärenfell-und-Faustkeil-Freunde gelandet.

Dieser Verein hatte sich zur Aufgabe gesetzt, am Wochenende so zu leben wie in der Altsteinzeit. Es gibt viele solcher Hobbygruppen, zum Beispiel Hunnenhorden oder Indianer-Clubs. Ich kenne einen Verein, „Wilde Wikinger e.V.“, der hat ein Floß aus Knäckebrot gebaut, um zu beweisen, dass die Wikinger schon Butterfahrten kannten. Aber das Einzige, was sie dann zehn Meter vom Ufer entfernt bewiesen haben, war, dass die Wikinger noch keine Schwimmärmchen hatten.
Herr Heuser macht Aussendienst
Jetzt fragten mich diese Steinzeitfreunde, was ein Finanzbeamter überhaupt bei ihnen zu suchen hätte, damals hätte es doch noch gar keine Steuern gegeben. Das ist aber falsch. Natürlich hat es im Paläolithikum schon Steuern gegeben. Schon damals mussten die Sippenmitglieder ihrem Sippenältesten eine Abgabe entrichten und wenn sie das nicht gemacht haben, kam der Mahnbescheid und der hatte damals noch die Form einer Keule. Deswegen sagt heute noch manch einer, der seinen Steuerbescheid liest, „Das haut mich um!“ – das stammt noch aus dieser Zeit.

Das hat sie überzeugt und sie haben mich eingeladen, ein paar Tage mit ihnen in ihren Höhlen zu hausen. Ich muss sagen, das war hochinteressant. Auf dem Vereinsgelände durfte man ja nur die Steinzeitsprache benutzen und die ist nicht einfach. Das ist ja ein Unterschied, ob man sagt „Hoaah hoaah“ oder „Hoaah hoaah“. Das eine heißt „Ich will mich mit dir paaren“ und das andere „Gib mir mal die Fernbedienung!“ Im Grunde genommen ist es eine Verständigung wie bei uns nachts um eins auf dem Schützenfest.

Die Verpflegung wurde nur selbst gesammelt, Löwenzahn, Brennnessel, was man eben in Wald und Flur so findet. So etwas gibt es ja heute auch wieder, das nennt sich Paläo-Diät und ist ziemlich teuer. Hier brauchte man nur auf allen Vieren mit offenem Mund durch den Wald zu kriechen, dadurch kam auch schon mal das eine oder andere Insekt hinzu und deswegen sagt man ja heute noch: „Ich hab Schmetterlinge im Bauch.“

Und wenn man sich verletzt hatte, wurde Spitzwegerich gekaut, eingespeichelt und dieser Brei dann auf die Wunde gespuckt, also im Grunde das, was uns erwartet, wenn Christian Bahr mit seiner Gesundheitsreform fertig ist.

Aber dann habe ich erfahren, was es mit der Rechnung für die „Miete eines Großsäugers“ auf sich hatte. Es stand nämlich der „Tag der offenen Tür“ im Verein an. Fünf Grundschulen hatten sich schon angekündigt, die Kinder sollten etwas über die Steinzeit lernen und als besondere Aktion wollten die Männer den Kindern eine Mammutjagd vorführen. Also haben sie sich von einem Wanderzirkus Picoloni einen alten, harmlosen Elefanten gemietet, den mit ein paar grauen Flokatis und zwei Abwasserrohren als Mammut verkleidet, haben in tagelanger Arbeit eine riesige Grube ausgehoben und dann war es so weit. 500 Kinder warteten gespannt, das Mammut stand auf der Wiese. Jetzt wollten die vier Sippenmänner mit ihren Wurfspießen das Mammut in die Grube treiben. Doch kaum hatte der Erste es mal gepiekst, schrien die Schüler: „Benjamin Blümchen, wir helfen dir! Törööööh!“ und dann stürmten 500 Kinder auf die Bärenfellmänner los. Die kriegten die Panik, rannten los und landeten prompt in der Grube. Drum herum sprangen dann die Kinder und sangen fröhlich „Wer andre in die Grube schmeißt, auf den regnets Elefantenscheiß“.

Ich habe währenddessen gemütlich mit den Steinzeitdamen in der Höhle gesessen und dabei wieder mal erfahren, wie viel wir heute noch aus dieser Frühzeit haben. Denn die haben mir gezeigt, wie gut man in einer Wildschweinblase oder einem Hirschdarm Lebensmittel aufbewahren kann, und daraus ist ja später die Tupperparty entstanden. Wissen Sie, was das Schönste an der Steinzeit war? Ich konnte ungehindert meine Corona Sumatra genießen, ohne mir dauernd eine Feinstaubplakette auf die Zigarre pappen zu müssen.

In diesem Sinne
Ihr Herr Heuser

Datum: 31.10.2012

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