Herr Heuser zieht die rote Karte

„Herr Heuser vom Finanzamt“ pfeift – und verwarnt. Die kabarettistische Kolumne von Gernot Voltz (Ausgabe 1/2010, Themenheft „Fußball“) gibt es jetzt auch im Blog zum Nachlesen. Viel Vergnügen.

Herr Heuser zieht die rote Karte

Schönen guten Tag zusammen,

Heuser ist mein Name, Oberamtsrat Heuser vom Finanzamt und auch ich verfolge immer gespannt das aktuelle Fußballgeschehen. Die Sportschau in Verbindung mit einer Aurora ist für mich fast genauso schön wie das Erfassen ins Ausland abgeflossener Wettgewinne durch das Doppelbesteuerungsabkommen. Woran erkennt man übrigens, dass der Schiedsrichter von der Wettmafia bestochen wurde? Wenn der 1. FC Köln ein Heimspiel gewinnt.

Allerdings interessiert mich auch aus eigener Betroffenheit im Moment noch mehr, welche neue Mannschaft sich da im schwarz-gelben Trikot auf dem politischen Spielfeld tummelt. Die Mannschaftsaufstellung jedenfalls hat es in sich, zum Beispiel ist Herr Schäuble, ein klassischer Rechtsaußen, jetzt Finanzminister. Nun, er hat als Innenminister gezeigt, wie er mit kriminellen Elementen umgehen will. Dann soll er doch seine Online-Überwachungen in den Chefetagen der Banken fortsetzen, dann habe ich überhaupt nichts gegen ihn als neuen Chef. Er wollte ja auch immer die Bundeswehr bei uns im Inneren als Polizei einsetzen. Da kann der Zumwinkel froh sein, dass er schon aufgeflogen ist, Schäuble hätte den mit dem Leopard abgeholt!

Herr Heuser zieht die rote KarteIch frage mich nur, ob seine Mitspieler ihm technisch das Wasser reichen können. Zum Beispiel Wirtschaftsminister Brüderle, als der, wo wie Loddar spricht. Ich weiß, Politik ist kein Lehrberuf, aber das einer so gar nichts kann … Da bekommt die FDP von einem Hotelier eine Wahlkampfspende von 1,1 Millionen und prompt setzt sich Brüderle ganz dummdreist für eine Senkung der Mehrwertsteuer im Hotelgewerbe auf 7 % ein. Warum hat eigentlich Herr André nicht die Million gespendet? Oder besser direkt zwei Millionen, dann wären die guten Zigarren jetzt nicht nur von der Umsatzsteuer befreit, sondern wahrscheinlich auch noch gesetzlich vorgeschriebenes Pflichtdessert nach jedem Kantinenessen.

Vielleicht ist das ja die Umsetzung der Chancengleichheit: Jemand wie Brüderle, der noch nicht mal als Platzwart zu gebrauchen wäre, weil er auf Grund seines Rieslingkonsums keine gerade Linie zustande bekommt, darf die wirtschaftspolitischen Geschicke unseres Landes bestimmen. Noch bemerkenswerter finde ich seinen Vorsitzenden Guido Westerwelle, ein wahrer Meister des leeren Geredes. Gestern war ich in einem Restaurant auf der Toilette, da hatte jemand auf den Heißlufttrockner für die Hände geschrieben: „Hier hören sie eine Rede von Guido Westerwelle!“

Ich gebe ihnen gerne ein Beispiel: Westerwelle hat mit seiner FDP in der Koalition durchgedrückt, dass wir alle die nächsten zwei Jahre mit über 40 Milliarden steuerlich entlastet werden sollen. Es fehlen aber jetzt schon über 80 Milliarden im Haushalt, zusätzlich zu den Milliarden Schulden, die wir schon durch Firmen und Bankenrettung haben. Aber die Regierung sagt, das ist alles kein Problem, wir bauen alte Schulden ab, in dem wir neue Schulden machen. Das ist das Prinzip, Eigentore schießen, um zu gewinnen. Hannover 96 hat das letztens noch erfolgreich praktiziert.

Aber Frau Merkel ist Physikerin, sie hat eine Theorie der verschwundenen Löcher entwickelt. Sie lässt ein Haushaltsloch, also ein kleineres Loch, verschwinden, indem sie es in ein großes Loch steckt. Das ist das Prinzip russischer Puppen, nur umgekehrt und mit Löchern. Also das kleine Loch in ein größeres Loch in ein noch größeres Loch in ein noch noch größeres Loch und das Arschloch am Ende ist der Steuerzahler. Verzeihen sie mir diese drastische Ausdruckweise, aber mit diesen steuerpolitischen Verdummungen verpasst Schwarz-Gelb unserem gesunden Menschenverstand ein dermaßen grobes Foul, dagegen ist der Blutgrätschenspezialist Mark Bommel ein Heilpraktiker auf dem Rasen. Von meiner Seite wäre es eine klare rote Karte. Es ist erstaunlich, aber diese Regierungsmannschaft hat es geschafft, schon nach 100 Tagen Spielzeit den eigenen finanz- und wirtschaftspolitischen Sturm komplett ins Abseits zu stellen. Nur leider gibt es keinen Schiedsrichter, der abpfeift, denn das Pfeifen, was sie von der SPD hören, kommt nur aus deren letzten Loch.

Ich weiß, ich als Finanzbeamter bin einer der vielen Stollen an Schäubles Fußballschuhen, aber auch ich stelle mir die Frage, gegen wen diese Regierungsmannschaft eigentlich spielt. Ich befürchte, gegen die steuerzahlenden Bürger, zu denen ich natürlich auch gehöre und ich wünschte, wir könnten noch Oliver Kahn ins Tor stellen. Der würde auch einem heranstürmenden Westerwelle ungehemmt ins Ohr beißen. Mal unter uns, vielleicht haben sie ja eine Idee, wie wir einen vorzeitigen Spielabbruch erzwingen könnten. Das wäre nicht schlecht – oder wollen sie am Ende des Spiels wirklich mit Merkel, Seehofer oder Brüderle das Trikot tauschen?

Ihr Finanzbeamter Heuser

Datum: 10.02.2012

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