Nicotiana: Das Nachtschattengewächs, das die Sonne braucht

Nachtschattengewächs – was für ein zwielichtiger Name! Dabei gehören so überaus anständige Pflanzen wie die Tomate, die Aubergine und die Kartoffel dazu. Und natürlich auch Nicotiana, die Tabakpflanze.

Das Nachtschattengewächs, das die Sonne braucht: Nicotiana

Der so bedrohlich klingende Name kommt aus dem mittelhochdeutschen „nahtschaden“, und das bedeutet Alptraum. Eine Interpretation dazu besagt, dass die Nachtschattengewächse diese Alpträume heilen.

Der Theologe, Humanist, Mediziner und Botaniker Otto Brunfels schieb 1532: „Diß kraut würt auch sonst gebraucht, wider die schäden die die hexen den leuten zufügen (…) Würt deßhalb in sonderheyt Nachtschatt genannt.“

Tabak wurde Anfang des 16. Jahrhunderts von den Spaniern aus Amerika nach Europa importiert. Der französische Gesandte in Portugal Jean Nicot (1530 – 1604) war Diplomat am portugiesischen Hof und sorgte für die Einführung des Tabaks als Heilpflanze in Frankreich. Nach ihm wurde die Tabakpflanze „Nicotiana“ benannt und von ihm erhielt das Nikotin seinen Namen. Darüber hinaus gilt Nicot durch sein 1606 postum erschienenes Lexikonwerk „Thrésor de la langue francoyse“ als Begründer der wissenschaftlichen Lexikografie in Frankreich.

Das Nachtschattengewächs, das die Sonne braucht: NicotianaWie alle Nachtschattengewächse hat auch der Tabak, wissenschaftlich Nicotiana, eine fünfblättrige Blüte. Die einjährige Pflanze wächst, je nach Art, bis zu drei Meter hoch. Das in den Wurzeln produzierte Nikotin wird in den Blättern eingelagert. Die Blätter werden immer von unten nach oben geerntet, und das immer von Hand. Die Tabaksamen, die in Kapseln in den Fruchtständen wachsen, sind die kleinsten, die in der Landwirtschaft Verwendung finden.

Tabak ist eine subtropische Pflanze, die Wärme braucht und eine geringe Kältetoleranz aufweist. Unter 15 °C wächst sie nur schlecht, bei 0 °C werden die Blätter geschädigt, die Pflanzen sterben ab etwa −3 °C ab. Außer der Wärme braucht der Tabak auch genügend Feuchtigkeit. Kein Wunder also, dass Tabak hauptsächlich in China, Brasilien, Indien und den USA angebaut wird. Aber immerhin ist die Tabakpflanze doch so widerstandsfähig, dass auch in Europa bestimmte Sorten gut gedeihen. So wird zum Beispiel in der Pfalz die in vielen unserer Cigarillos wichtige Sorte „Geudertheimer“ angebaut.

Zwei unterschiedliche Arten des Anbaus entscheiden über die spätere Verwendung. Als „shade tobacco“ wächst die Pflanze unter Stoffbahnen, die bei Bedarf allerdings auch entfernt werden können, also geschützt vor zu viel tropischer Sonne. Die Blüte wird bei diesem Anbau nicht entfernt. Es entwickeln sich gleichmäßig dünne und sehr gut verarbeitbare Blätter, meist sehr hochwertige Deckblätter.

Nach diesem Deckblatt wird die Zigarre – zumindest der Herkunft nach – auch benannt: Ist das Deckblatt aus Brasilien, ist die Zigarre eine Brasil, auch dann, wenn Einlage und Umblatt aus anderen Regionen stammen. Als „tabaco del sol“ wächst Tabak unter tropischer Sonne auf, so dass sich aromatisch kräftigere Blätter entwickeln. Die Blüten werden frühzeitig entfernt. Diese Blätter finden in der Einlage und als Umblätter Verwendung.

Nach der Position der Blätter am Stiel der Pflanze unterscheidet man drei Arten. Die Blätter am unteren Ende werden „volado“ genannt und sind die mildesten. In der Mitte, schon mit mehr direkter Sonneneinstrahlung und etwas stärker im Geschmack, heißen die Blätter „seco“. Die kräftigsten vom oberen Ende sind die „Ligero“-Blätter. Geerntet wird in drei Stufen, beginnend bei volado. Die gekonnte Kombination aus diesen drei Sorten ist wesentlich für das typische Aromabild einer Zigarre.

Das Nachtschattengewächs, das die Sonne braucht: NicotianaNach der Ernte reifen die Tabakblätter zunächst während der Trocknung. Dabei hängen sie für meistens einige Wochen belüftet in speziellen Lagerhäusern. Die Trocknung beeinflusst auch die Farbe der Blätter. Die Feuchtigkeit und auch der Zuckergehalt reduziert sich. In der brasilianischen Region Mata Fina und in wenigen anderen Gebieten werden die ganzen Pflanzen mit dem Stiel geschnitten und getrocknet. Zigarrentabake werden in der Regel luftgetrocknet (air-cured). Dabei wird der im Tabak enthaltene Zucker durch die ebenfalls enthaltenen Kohlehydrate völlig „veratmet“.

Anschließend findet die Fermentation statt. Für die natürliche Fermentation werden die vorgetrockneten Tabakblätter in Stapeln zusammengesetzt, die sich im Innern auf 40 bis 60 °C erwärmen. Sobald diese Temperatur erreicht wird, werden die Stapel auseinandergenommen und sofort in neue geschichtet. Dies erfolgt vier bis sieben Mal. Die Fermentation ist ein Gärprozess, der durch Bakterien und Enzyme ausgelöst wird. Dadurch werden Eiweiß, Ammoniak und andere unerwünschte Stoffe abgebaut, Duft, Würze und Aroma freigemacht, der Nikotingehalt vermindert und die Farbe der Blätter ausgeglichen. Damit sind aus dem Nachtschattengewächs verarbeitbare Tabakblätter geworden – aber noch längst nicht eine fertige Zigarre. Doch die Basis für den aromatischen Genuss ist gelegt.

Quelle: Alles André Ausgabe 3/2012

Datum: 16.01.2013

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