Smoke on the Water

Der berühmteste Song der Rockgeschichte kommt aus der Schweiz. Stefan Hentz über ein Feuer und ein Festival in Montreux.

Smoke On The Water
Smoke On The Water

Montreux, 4. Dezember 1971. Deep Purple war auf dem Gipfel. Mit den drei Tagen Love and Peace and Happiness von Woodstock – und ihrem Echo einige Monate später in Altamont – war zwei Jahre zuvor das Hippiejahrzehnt zu Ende gegangen. Härtere Klänge hatten Konjunktur und „Deep Purple in Rock“ hatte der neuen Zeit den Takt vorgezählt. Es war kein Zufall, dass Claude Nobs, der Stellvertretende Direktor des Fremdenverkehrsvereins von Montreux und 1967 einer der Gründer des Montreux Jazz Festival, die Band in den noblen Ferienort am Nordufer des Genfer Sees lockte, um im Casino, dem Veranstaltungszentrum, die Aufnahmen für das geplante Album „Machine Head“ zu machen. Als die Band und ihr (von den Rolling Stones geliehenes) Aufnahme-Equipment in Montreux eintrafen, spielte dort Frank Zappa mit seinen „Mothers of Invention“. Irgendwann brach ein Feuer aus. Ein Fan hatte mit einer Leuchtpistole das Gebäude mit einem Schuss in die Dachstruktur aus Holz und Stroh in Brand gesteckt. Das Feuer brannte sieben Stunden, danach war das Casino bis auf die Grundmauern zerstört. Personen kamen nicht zu Schaden.

Schon am nächsten Tag hatte Nobs ein altes Theater gefunden, in dem die Band ihre Musik aufnehmen konnte. Doch kaum war die erste Grundspur eingespielt, kam die Polizei: zu laut für die Nachbarn. Aber „Smoke on the Water“ war geboren, nur das Lametta fehlte noch, es fehlten instrumentale Ausschmückungen und der Gesang. Das wurde im Verlauf der folgendes Wochen nachgeholt. „Die haben mir die Cassette gegeben“, erinnert sich Nobs, „und gesagt: Wir haben einen Song gemacht, den kannst du mal anhören.“ „Smoke on the Water“, das fertige Stück.

Der Text erzählt in klapprigen Versen und ohne poetische Umschweife, was geschah. Nicht mehr als ein persönliches Geschenk für Claude Nobs sollte „Smoke on the Water“ sein, doch Nobs hatte Einwände: „… das ist doch ein Hit: Bom Bum Bumm – das muss auf die Platte!“

Bereits ein Jahr nach dem Brand hatte die Gemeinde Montreux eine neue Veranstaltungshalle gebaut, und damit hatte das Feuer den Grundstein für das weitere Wachstums des Festivals zu einem der weltweit größten seiner Art gelegt. Der „Rolls-Royce unter den Festivals“, wie es die Musiker- und Produzentenlegende Quincy Jones ausdrückte.

Natürlich spielt die von der Natur begünstigte Lage eine wichtige Rolle, das subtropische Klima und die spektakuläre Kulisse mit dem See, den steilen Weinbergen des Waadtlandes und den hochalpinen Gipfeln Savoyens, die den Musikern das Gefühl vermitteln, sie befänden sich im Vorzimmer zum Paradies. Ebenso wichtig ist der Einsatz von Claude Nobs, der heute wie in den Anfangstagen die Musiker wie persönliche Gäste behandelt. So weit das Basisprogramm.

Die hohe Kunst aber ist es, ein Festivalprogramm so zusammenzustellen, dass es immer wieder sein Publikum findet. Dazu gehören erstklassige Zutaten, die Nobs dem Festival sicherte, als er bei einem Besuch in New York mal eben ins Allerheiligste der Musikindustrie vordrang: 1812 Broadway, das Büro von Atlantic, der Plattenfirma, bei der alle seine Helden von Ray Charles und Aretha Franklin bis zu Charles Lloyd und John Coltrane veröffentlichten. Nonchalanter Enthusiasmus trifft auf Businesskultur. Verabredung? Hatte er nicht. Bekannt? Naja, er kannte all die Platten, die sie produziert hatten. Ein Wunder geschah: Nobs wurde zu Ahmed und Nesuhi Ertegun, den Labelchefs, vorgelassen und hatte ab sofort einen direkten Draht zur Champions League der schwarzen Musik.

Jahr für Jahr kommen zur Festivalzeit im Juni und Juli 100.000 zahlende Gäste und mehr als noch einmal so viele, die nur die Freikonzerte auf den zehn Freilichtbühnen und die lebendige Atmosphäre genießen wollen. Früh schon interpretierte Nobs den „Jazz“ im Namen seines Festivals nicht allzu wörtlich. Und solange ihn keiner auf die Reinheit des Jazz festnageln will, hat er damit auch kein Problem, „für mich ist das Wort Jazz nur ein Zeichen für die Qualität und Emotion, die in der Musik steckt.“ Das war schon 1967, in der Erstausgabe, als das Charles Lloyd Quartet mit dem jungen Keith Jarrett am Klavier das Programm krönte, die Leitlinie. Dabei ist es geblieben: Internationale Künstler der Rolls-Royce-Klasse wie im vergangenen Jahr Sting, Santana oder Arcade Fire geben einander die Klinke in die Hand.

Die Aschewolke über dem See hat sich längst verzogen. Doch wenn man spät in der Nacht, gut gesättigt nach einem reichhaltigen Konzertmenü, auf den See hinausblickt, dann kann man sehen, wie über der Wasseroberfläche Feuchtigkeit aufsteigt. Ein zarter Nebel, frisch und rein. Dunst über dem Wasser, da ist er wieder, aber dieses Mal in seiner reinen, sommerlichen Variante, so wie es sich für Montreux gehört.

Datum: 04.04.2012
  1. marc wrigge

    hallo cigarrenfreunde, würde das funktionieren, daß sie mir ein exemplar von der schweiz zusenden können?vielleicht liegt ja noch eins auf lager. lg von marc wrigge

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